Gottesdienste
05.09.2010 09:30 Uhr: Gottesdienst
12.09.10 09:30 Uhr: Gottesdienst (A)
Kirchengemeinde St. Lorenz in Lübeck-Travemünde
St. Lorenz-Kirche
Jahrmarktstrasse 14
D-23570 Travemünde
Tel.: (0 45 02) 88 80-0
Fax: (0 45 02) 88 80 16
http://www.kirche-travemuende.de
Travemünde, heute modernes Seebad und seit 1913 Stadtteil der Hansestadt Lübeck, wurde 1187 als Stützpunkt des Holsteiner Grafen Adolf III. von Schauenburg gegründet. Um 1200 entstand in der Nähe der vermutlich bescheidenen Festung die Ortschaft Travemünde, die wegen ihrer strategisch bedeutenden Lage für Jahrhunderte das Objekt rivalisierender Machtinteressen war. Auch die Geschichte der Kirche ist von Anfang an untrennbar mit den Gefahren des Standortes verbunden. In einer päpstlichen Urkunde vom 11. Mai 1235 wird sie erstmals indirekt erwähnt. Papst Gregor IX. beauftragte darin einige Geistliche aus Schwerin mit der Schlichtung eines Streites zwischen dem Lübecker Bischof Johann I. und der Stadt Lübeck. Der Holsteiner Graf in dessen Herrschaftsgebiet Travemünde lag, hatte die Flußmündung sperren lassen und der Stadt Lübeck somit ihren lebenswichtigen Zugang zur Ostsee abgeschnitten. Daraufhin hatten die Lübecker in der holsteinischen Umgebung gebrandschatzt. In der Urkunde heißt es, Priester und Kirchspielleute („plebanus et parochiani“) seien durch Brandschatzung („per incendium“) geschädigt worden. Der Bischof nahm für die Geschädigten Partei: ein hochpolitischer Streit, dem wir die erste historische Nachricht über des Kirchspiel Trave münde verdanken, von der aus man indirekt auf die Existenz einer Kirche schließen kann. Erst 1259 wird das Gebäude ausdrücklich erwähnt. Von dieser ersten Travemünder Kirche, die im Laufe des 16. und 17. Jh. durch einen Neubau ersetzt wurde, haben sich nur geringe Teile im heutigen Bau erhalten. Anlässlich der Fertigstellung des Kirchturms im Jahre 1620 wurde im Knauf eine Urkunde niedergelegt, in der es heißt, der neue Turm sei „höher und schöner als jener, den eine Feuersbrunst zusammen mit fast dem ganzen Städtchen am Johannisabend vor 100 Jahren zerstört hat“. Aus bestimmten Gründen kommt für den erwähnten Brand nur das Jahr 1534 in Frage, als der Ort wiederum im Zuge einer lübeckisch-holsteinischen Fehde zweimal eingeäschert wurde. Jedenfalls verschwand die ältere Kirche im 16. Jh. unter ähnlichen Umständen, wie sie sich im 13. Jh. in die Geschichte eingeführt hatte: im Feuerschein. Bezeichnend ist, dass der hl. Laurentius (niederdeutsch: Lorenz), der als Nothelfer bei Feuersgefahr angerufen wurde, Patron der Kirche ist.
Ungefähr gleichzeitig mit der Zerstörung der älteren Kirche vollzog sich ein anderer Wandel: 1531 wurde in Lübeck und den zu Lübeck gehörigen Landgemeinden die Reformation eingeführt. Noch im Jahr zuvor hatte der Travemünder Priester, ein Dominikanermönch namens Symeon, von dem nach wie vor katholischen Lübecker Senat einige Baumstämme aus Dank für seine Treue empfangen. Nun aber regelte eine eigens für Travemünde erlassene Kirchenordnung die protestantischen Gebräuche. Die nach zahlreichen Brandkatastrophen, Kriegswirren, Plünderungen und Überschwemmungen völlig verarmte Gemeinde sank in der Folge zu provinzieller Bedeutungslosigkeit herab. Travemünde, um 1500 ein relativ wichtiger Vorort der Stadt Lübeck, wurde ein armseliges Fischerdorf. Der Chronist Reimar Kock schrieb über diesen Wechsel: „Es standen in den Tagen mächtige, große, schöne Häuser in Travemünde; aber an dem Tag (Stadtbrand 1522, Anm. d. Vf.) wurden sie alle arm und litten großen Schaden.“ Kirchenbücher und Zustandsberichte aus dem alten Travemünde ergehen sich auffällig häufig in Klagen über Missstände und Unsitten: „in Schwange gehende Zaubereyen“ beklagte Pastor Johann Tede 1544; „Verfolgung, Lügen, Neyd“ sah sich Pastor Joh. Matthias Wendt in Travemünde ausgesetzt (vgl. das Pastorenbild in der Kirche); bei einer Kirchenvisitation im Jahre 1681 konnte keiner der geprüften Konfirmanden den Katechismus aufsagen; „des Vogtes Ziegen weiden auf dem Kirchhof“ (1777). Ein anonymer Zeitgenosse schrieb 1837: „Wen der Weg über den von Wohnhäusern begränzten Kirchhof führt, der hat täglich und stündlich Gelegenheit, die Gebeine seiner Ahnen, Verwandten oder Bekannten aus den schlecht verwahrten Gräbern hervorragen zu sehen.“
Einen ersten Schritt aus der Provinzialität tat Travemünde mit der Gründung des Seebades im Jahre 1802, das in der Folge Sommergäste aus Fern und Nah anzog. Die aus dieser Zeit herrührende Zweiteilung in ein mondänes Travemünde der Strandregion und einen urtümlichen Fischerbezirk im historischen Ortskern ist heute kaum noch spürbar.
C. Dahl
Sehen Sie hier die St.Lorenzkirche in der Panorama-Ansicht

Südseitenansicht
Die heutige St.-Lorenz-Kirche ist ein spät- und nachgotischer Bau, der im 16. und 17. Jh. unter Verwendung von Resten einer Vorgängerkirche entstand.
St. Lorenz besteht aus einem Kirchenschiff der Zeit um 1540/50 mit spitzbogigen Fenstern, spätgotischem Südportal und schlichtem jüngeren Nordportal und einem vielleicht etwas älteren Chor aus der ersten Hälfte des 16. Jh., der über den Mauern des romanischen Vorgängerbaus errichtet wurde, mit großen, im Osten vermauerten rundbogigen Fenstern. An den Chor schließen sich südwärts die tonnengewölbte, ebenfalls noch mittelalterliche Sakristei und ein jüngerer Leichenkammeranbau an. Im Westen wird der Bau durch den 1605-20 errichteten Turm abgeschlossen, der über dem dreigeschossigen, von korbbogigen Luken durchbrochenen Quader ein Oktogongeschoß und den schlanken Turmhelm aufweist. Im Inneren liegen Schiff und Chor unter horizontalen Balkendecken und unterschiedlicher Höhe.
Ältester Bauteil der Kirche ist der Unterbau des Chors, der bis in ca. 2 m Höhe reicht. Das romanische Mauerwerk gehört dem 13. Jh. an. Außen ist das hohe Alter der entsprechenden Partien an Steinformat und Mauerverband (regelmäßiger Wechsel von je einem „Läufer“ und zwei „Bindern“) sowie der Gliederung durch Lisenen (flach vorspringende Mauerstreifen) ablesbar. Im Inneren des Chores befanden sich dort, wo außen am Mauerwerk die Lisenen sitzen, die Vorlagen eines Kreuzgewölbes. Eine solche Gewölbevorlage hat sich in der Südost-Ecke des Raums (neben der Sakristei) erhalten. Über diesen mittelalterlichen Resten entstand in der ersten Hälfte des 16. Jh. der Neubau des Chors. Er erhielt große rundbogige Fenster, die dem Stil des 16. Jh. entsprachen. Offenbar etwas jünger als der Chor ist das Kirchenschiff, von dessen Vorgänger sich keine Spuren erhalten haben. Im Gegensatz zum Neubau des Chors wurden bei der Errichtung des Kirchenschiffs gelbliche Steine benutzt. Da die östliche Giebelwand des Schiffs über der letzten Sparrenlage des niedrigeren Chordaches aufgemauert ist, ergibt sich ein Hinweis auf die zeitliche Reihenfolge „Chor — Schiff“. Die Formensprache des Kirchenschiffs bediente sich allerdings wieder des älteren Spitzbogens. Ein solches Nebeneinander von stilistisch „älteren“ und „jüngeren“ Formen ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass sich die Aneignung neuer Formen nur allmählich vollzog, während sich daneben ältere weiterhin hielten. Ein interessantes Beispiel für diesen Formenwandel stellt das Südportal dar: Es verbindet Stilelemente von Spätgotik und Renaissance miteinander. Der obere Kielbogen (auch „Eselsrücken“ genannt) gehört dem älteren Formenkanon an, während der Taustab (wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Tau so bezeichnet) ein aus gesprochenes Renaissancemerkmal ist, das an Lübecker Portalen des mittleren 16. Jh. häufig vorkommt. Diese stilistischen Beobachtungen verbinden sich mit der Nachricht, dass der Gemeinde 1539 zum Wiederaufbau der Kirche („ad reedificationem ecclesie“) Baumaterial geschenkt wurde. Offenbar zog sich der Neubau bis gegen 1556-58 hin. Denn aus diesen Jahren sind verschiedene Stiftungen überliefert, die sich auf die Ausstattung der Kirche beziehen. Eine Ansicht der Kirche aus dem Jahre 1601 zeigt den Kirchturm noch in Trümmern, während Kirchenschiff und Chor bereits wieder aufgebaut sind. Vier Jahre später wurde der Turmbau in Angriff genommen. 1605/06 entstand der dreigeschossige Turmquader, dem 1619 das Oktogongeschoß und bis 1620/21 der spitze Turmhelm folgten. Ein um 1588 errichteter Dachreiter über dem Chordach wurde 1818 wegen Baufälligkeit abgetragen.
Ansonsten hat der Kirchenbau in den folgenden Jahrhunderten nur Ausbesserungen erfahren. Besonders das Turmmauerwerk musste immer wieder ausgetauscht werden. Eine einschneidende Veränderung des Innenraums bedeutete im 19. Jh. der Einzug von horizontalen Putzdecken im Chor (vor 1838) und im Kirchenschiff (1859), welche die bemalte Holzbalkendecke den Blicken entzogen und den Kirchenraum insgesamt niedriger erscheinen ließen. Diese Putzdecken wurden bei der Renovierung der Kirche im Jahr 1990 entfernt.
C. Dahl
Die alte Holzdecke der Kirche
Decken- und Wandmalerei: Die 1990 freigelegten Holzbalkendecken über Schiff und Chor sowie die vertikale Verbretterung an der Grenze der bei den unterschiedlich hohen Raumabschnitte zeigen mehr oder weniger gut erhaltene, stellenweise restaurierte Malereien. Am ursprünglichsten hat sich die Ausmalung über dem Schiff erhalten. Sie stammt aus dem Jahre 1602 (Kartusche mit Jahreszahl am 4. Balken von Westen) und gehört stilistisch dem Frühbarock an. Kennzeichnend ist ein abwechselnd rot und grau gestaltetes Grundmuster aus Rauten und Kreissegmenten, das von Blattranken ausgefüllt wird. Ähnliche Motive kommen um 1600 häufiger vor. Selten ist jedoch die Größe der bemalten Fläche in Travemünde. Allerdings wird die Geschlossenheit des ornamentalen Systems an einigen Stellen durch vertauschte und nachträglich falsch in den Zusammenhang gefügte Bretter, aber auch durch spätere, weniger qualitätvolle Ergänzungen des 18. Jh. gestört. Die ältesten Malereien (Mitte 16. Jh.) finden sich an der Bretterwand, die die unterschiedlich hohen Decken von Schiff und Chor miteinander verbindet und hier die Stelle eines Chorbogens vertritt. Dargestellt ist das "Jüngste Gericht" Christus thront auf dem Regenbogen. Zu seiner Rechten (vom Betrachter aus gesehen: links) werden die Gerechten von Engeln in den Himmel geleitet; auf der anderen Seite treiben drastisch geschilderte Teufel die fliehenden Sünder in die Hölle. Am unteren Rand auf der linken Seite entsteigt ein Verstorbener seinem Grab. Die nur sehr fragmentarisch erhaltene Malerei ist von unten nur mit Mühe zu erkennen. Komplizierter ist die Lage im Chor. Dort liegen zwei Schichten von Malerei übereinander. Die jüngere, jetzt sichtbare Schicht mit der Darstellung eines einfarbig blaugrauen Himmels, der oberhalb des Altars Wolken, Sonne und Engel aufweist, von denen einer ein Spruchband mit der Aufschrift "Gloria in excelsis Deo" hält, entstand vermutlich im Zusammenhang mit der Aufstellung des Altars um 1723. Die ältere Schicht schimmert teilweise durch. Sie zeigt Rautenmotive im Renaissancestil. Im Zuge der Kirchenrenovierung 1990/91 wurden teilweise auch an den Wänden der Kirche Malereien freigelegt. Stichproben an unterschiedlichen Stellen lassen vermuten, dass die Wände der Kirche reich bemalt sind. Frei gelegt werden konnte allerdings nur ein kleiner Teil. Dazu gehört die farbige Einfassung des südlichen Chorfensters aus der Erbauungszeit des Chors (16. Jh.) mit ornamentalen Erweiterungen aus der Barockzeit. Außerdem sind verschiedene Friese des 16-18. Jh., die sich unterhalb der Decke an der Wand entlangziehen, stellenweise sichtbar gemacht worden.
Das Triumphkreuz
Ebenfalls seit kurzem befindet sich das Triumphkreuz an seinem vermutlich ursprünglichen liturgischen Platz zwischen Kirchenschiff und Chor.
Das spätgotische Corpus aus dem letzten Viertel des 15. Jh. an einem jüngeren Brettkreuz mit gemalten Evangelistensymbolen stammt noch aus dem Vorgängerbau.
In der Regel hatten Triumphkreuze in mittelalterlichen Kirchen ihren Standort unter dem sog. Triumphbogen, d.h. dem Bogen, der Kirchenschiff und Chor voneinander trennt. Zwar fehlt im heutigen Bau ein solcher Bogen, aber der verbretterte Absatz mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts ist entwicklungsgeschichtlich der Nachfolger eines Chorbogens, den es in der älteren Kirche sicher gegeben hat.
Nach dem der Kruzifixus 1898 auf dem Dachboden der Kirche aufgefunden worden war und an unterschiedlichen Stellen aufgehängt bzw. abgestellt war, hat er 1992 seinen historisch begründeten Platz gefunden.
Die Holzskulptur „St. Jürgen mit
dem Drachen“
(Turmeingangshalle) ist ein spätgotisches Schnitzwerk der Zeit
um 1520. Es stammt aus dem erst um 1970 abgerissenen Siechenhaus St. Jürgen
bei Travemünde.
Die sich in der Kirche befindenden Epitaphe und Gemälde
gehören ausschließlich in den Bereich des christlichen Totenkults und verewigen
mit zwei Ausnahmen Geistliche, die an der St.-Lorenz-Kirche gewirkt haben. Das
älteste Epitaph (Kirchenschiff Nordwand), zum Gedächtnis an den 1583 gestorbenen Pastor Georg Gladow von dessen Erben errichtet, weist in seiner
Mitte ein Gemälde der Auferstehung Christi mit der knienden Figur des
Verstorbenen auf. Den oberen Abschluß bildet ein schlichter Dreieckgiebel mit
gemaltem Puttenkopf. Unterhalb der Tafel mit der lateinischen Inschrift ist ein
ausgesägtes Brett mit dem Text „Renovatum MDCCLIX“ angefügt.
In reichem Spätrenaissancestil
ist das 1663 datierte Epitaph des Travemünder Bürgers Peter Steinmetz und
seiner Frau gehalten (Chor, Nordseite). Der zweigeschossige Aufbau umschließt
zwei Gemälde des Dresdener Künstlers Johannes Dietz/us, von denen das obere die
Grablegung Christi darstellt, während unten das Ehepaar und dessen 15 Kinder,
vor einer Landschaft kniend, gezeigt sind. Einige der Kinder sowie drei am
Boden liegende Wickelkinder sind durch kleine Kreuze als verstorben
gekennzeichnet. Das im Chor, über der Sakristeitür befindliche Epitaph für den
Pastor der Travemünder Kirche Hinrich Escher (gest.1705) besteht aus einem auf
Holz gemalten Wappenmantel mit halbrund hervortretendem Sockel. Darauf ist das
ovale Brustbild des Verstorbenen (Öl auf Leinwand) angebracht, das von vier
schwebenden Putten umgeben ist.
C. Dahl
Für weitere Informationen erhalten Sie in der Kirche unseren gedruckten Kirchenführer.
In den Sommermonaten bieten wir unseren Gästen eine wöchentliche Kirchenführung an, im Anschluss an eine halbstündige Orgelmusik (Marktkonzert, Donnerstags, 10.30h).
Öffnungszeiten der St.Lorenz-Kirche
November - März, täglich 09.00 - 12.00 (außer Montag)





