
VersöhnungskircheDiese Kirche, Grundsteinlegung 1988, wurde durch Spenden pornmerscher Landsleute aller Konfessionen und deren Freunde gebaut und am 4. Dezember 1991, dem Barbaratag, auf den Namen “Versöhnungskirche im Pommern-Zentrum“ unter ökumenischer Beteiligung eingeweiht.
Bei der Kirchweih-Predigt vom ev. Bischof Karl Ludwig Kohlwage, Lübeck, wurde auch die Versöhnungsbitte von Mensch zu Mensch und Volk zu Volk ausgesprochen.
Diese Kirche ist das Gotteshaus der in Deutschland, Europa und verstreut in der Welt lebenden Pommern und deren Nachkommen.
Seit Pfingsten 1992 finden hier an allen Sonn- und Feiertagen Gottesdienste statt. Dies wurde durch die Hilfe der Pastoren der St. Lorenz-Gemeinde Travemünde, Pommerscher Pastoren und anderer befreundeter Pastoren ermöglicht.
Die Finanzierung des Baues erfolgte durch den “Bauverein Kirche im Pommern-Zentrum e.V.“, der die zahlreichen Spenden sammelte und verwaltete. Nicht unwesentlich waren auch die Spenden für die Namensschilder auf den Gedenktafeln in der Kirche an der Finanzierung beteiligt. An der Westwand des Kirchenschiffes erinnern diese an die große Zahl der verlorenen Gräber in Hinterpommern, ebenso wie das gerettete Grabkreuz auf der Emporenbrüstung.
Eigentümerin unserer Kirche ist die 1994 gegründete
STIFTUNG VERSÖHNUNGSKIRCHE IM POMMERN-ZENTRUM.
Sie ist für den weiteren Ausbau und Erhaltung dieser Kirche verantwortlich.
Dem Stiftungsvorstand gehören Vertreter der Pommerschen Landsmannschaft- Zentralverband e.V., des Bauvereins Kirche im Pommern-Zentrum e.V., des Kirchenrates
Versöhnungskirche und des Kirchenkreises Lübeck an. Dem Stiftungsvorstand untersteht der
ihm zuarbeitende 1993 gegründete Kirchenrat.
Auf der Turmspitze befindet sich eine kupferne Windfahne, dargestellt als Pommern-Greif.
In der Kupferkugel darunter und im Grundstein an der westlichen Außenwand befinden sich Dokumente aus der Erbauungszeit der Kirche.
Seit Frühjahr 1995 hat der Turm an allen vier Seiten eine Uhr mit goldenen Zifferblättern und
Beleuchtung.
Die vier Glocken rufen nicht nur zum Gottesdienst. Die älteste von 1449, aus Hinterpommern gerettet, gab den Ton an für drei weitere, größere gespendete Glocken.
Das Morgen-, Mittags- und Abendgeläut, sowie der stündliche Uhrschlag erinnern an die vergangene Zeit und mahnen für die Zukunft.
Die beiden Eingangstüren tragen Kupferreliefs mit dem Motiv des großen Fischzugs an der Südtür (Lukas 5, 3 -9) und mit dem Motiv der Speisung der Fünftausend (Johannes 6, 5-13) an der Nordtür. Beide wurden von der pommerschen Künstlerin Ingrid Seddig geschaffen und sind eine Stiftung von zwei pommerschen Landsleuten.
Wer die Kirche betritt, wird von einer warmen Atmosphäre eingenommen, die durch das hölzerne Gewölbe des Innenraums vermittelt wird und den Vorzug einer guten Akustik bietet.
Auf der Empore steht die 2008 neu erbaute Pfeifenorgel.
Alle Deckenleuchten tragen als Zeichen da achtzackige Johanniterkreuz, das Symbol des ev. Johanniterordens für die acht Seligpreisungen, gespendet von der Pommerschen Genossenschaft dieses Ordens.
Das auffallend Besondere an unserer Kirche ist der weite Ausblick nach Osten zur Seeseite. So sind Himmel und Vogelflüge sowie Wiesenflächen und Baum als Gottes Schöpfung mit einbezogen in die Andacht. Die langsam vorbeiziehenden Schiffe auf der in die Ostsee mündenden Trave verbinden uns mit der pommerschen Heimat.
Vor diesem hohen, und die ganze Ostwand ausfüllenden Fenster breitet sich der Altarbereich aus, der mit der wuchtigen Dreiheit aus rotem Sandstein von Altar, Kanzel und Taufstein den Blick nach innen auf das Wesentliche zurückholt. Der Steinmetz Günter Sandmann aus Greifenhagen schuf den Altar, der gestützt ist auf zwölf Säulen mit den Apostelnamen und oben umkränzt wird mit einer symbolischen Dornenkrone. Seine Söhne leisteten als Meisterarbeit die wuchtige Kanzel mit den Symbolen der vier Evangelisten und den Taufstein mit der Weizenähre.
Für den Prediger ist auf dem Kanzeltisch eingemeißelt: “unam praedica sapientiam crucis“ (“Predige nur eins, die Weisheit des Kreuzes“).
Rings um das Taufbecken sind die Worte zu lesen: “Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.
Die silberne Taufschale und Kanne sind ebenso wie die Abendmahlsgeräte Stiftungen von Pommerschen Landsleuten.
Das von Ingrid Seddig geschaffene große Westfenster, ebenfalls eine. großzügige Stiftung, bildet mit der Heiligen Barbara ein künstlerisch farbiges Gegenüber zum lichtdurchfluteten Ostfenster.
Die Heilige Barbara, Schutzpatronin u.a. der Bergleute, der Notleidenden sowie der Entrechteten (eine der “Vierzehn Nothelfer“ hält im Arm die “Barbarazweige“, die am 1. Advent geschnitten, zu Weihnachten erblühen.
Unten im linken Bildteil ist das Motiv “Vertreibung“ angedeutet.
Neben dem in wechselnden Farbwirkungen scheinenden Barbarafenster befindet sich ein gestifteter Abdruck des bronzenen Türklopfers vom Hauptportal der Westseite des Kolberger Domes.
In der durch Schlichtheit geprägten Kirche steht auf einer hölzernen Konsole, links vom Altarfenster, ein aus der Dorfkirche zu Freist, Kreis Stolp, gerettetes kleines Kruzifix.
Die beiden gespendeten Liedtafeln stammen aus der Herrnhuter Werkstatt.
Fünf Bilder, alles Stiftungen bzw. Leihgaben, schmücken die Kirche.
In dem Triptychon auf der linken Seite des Kirchenschiffes stehen Vergangenheit und Zukunft unter dem Kreuz.
Die Vergangenheit zeigt einen langen Zug von Flüchtlingen auf verbrannter, von Blut getränkter Erde.
Das Mittelbild “Begegnung an der Oder“ soll die Gegenwart mit Handel und Gewerbe an den Oderbrücken, unter Gottes großem Regenbogen, darstellen.
Im Hintergrund sind Andeutungen von vor- und hinterpommerschen Stadt- und Landschaftsmotiven zu erkennen.
Das rechte Bild zeigt zwei für eine bessere Zukunft pflügende Bauern.
Diese drei Bildmotive des Malers Joachim Bunn, Duisburg, stehen dem Namen der Kirche gedanklich sehr nahe.
Auf der rechten Seite des Kirchenschiffes kommen uns im Bild “Wir sind das Volk“ Kerzen tragende Menschen vor der Stralsunder Marienkirche entgegen. Der Maler Eckhard Buchholz war am 03. Oktober 1989 von dieser die Wende einleitenden Demonstration tief beeindruckt.
Im Altarbereich hängt ein Gemälde der für uns sehr bekannten Kirchenruine Hoff, Kreis Greifenberg. 1224 wurde sie als Kapelle, mit genügend Abstand zur Steilküste, im damaligen Dorfkern gebaut Die daraus entstandene, etwa drittälteste Kirche Pommerns, hatte dann wechselvolle Schicksalsjahre zu überstehen, wobei die Steilküste immer näher rückte. Am 02. August 1874 wurde sie nach einem letzten Gottesdienst aus Vorsichtsgründen geschlossen. Am Gründonnerstag 1900 erfolgte der erste Absturz von Teilen der gefährdeten Kirche, die seitdem “Kirchenruine Hoff“ heißt. Zu Ostern 1901 stürzten weitere Teile ab. Daraufhin wurde sie von dem englischen Marinemaler Charles Pattison gemalt und am 23. Mai 1905 in der neuen Kirche von Hoff feierlich aufgehängt.
Nach Beschuß der neuen Kirche 1945 konnte das Gemälde gerettet werden und ohne Rahmen in den Westen gelangen. Der Heimatkreis Greifenberg restaurierte das Bild und stiftete es unserer Kirche. Das Bild drückt Mahnung aus, kann aber dadurch auch Hoffnung und Gottvertrauen in besonderem Maße erwecken.
Zum Kirchenbau noch einige technische Daten:
Grundfläche der Kirche: 330 m2
Kirchenschiff: tragende Holzkonstruktion mit Mauerwerk, außen verklinkert, Höhe 23 m
Turm: Stahlbetonkonstruktion, außen verklinkert, Höhe 42 m
Glocken: Glocke Lasbeck (60 cm, 147 kg, Ton F''), 2. Glocke (68cm, 180 kg Ton Es“), 3. Glocke (80 cm, 300 kg, Ton C’’), 4. Glocke (100 cm, 600 kg, Ton A''). Die Art des Läutens kann programmiert werden.
Uhr: elektronisch gesteuerte Funkuhr mit vierseitigen vergoldeten Zifferblättern und Zeigem, mit Beleuchtung, 150 cm.
Leuchter: große Ausführung 180 cm, kleine Ausführung 65 cm
Fenster: großes Ostfenster (5,20 m x 4,00), Barbarafenster (2,70 m x 2,00)
Gedenktafeln: z. Zt. ca. 4.000 Namensschilder
Sitzplätze: Kirchenschiff und Empore zusammen ca. 220