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© Voegele

Kirche

Eine Kirche für Travemünde wird erstmals im Jahre 1235 erwähnt. In einer Urkunde vom 11. Mai jenes Jahres beauftragt Papst Gregor IX. einige Geistliche aus Schwerin mit der Schlichtung eines Streites zwischen dem Lübecker Bischof Johannes 1. und der Stadt Lübeck. Natürlich existierte die Kirche beziehungsweise eine Gemeinde schon vor der Erwähnung in jener Urkunde. Graf Adolf III. von Schauenburg, der Sohn des Lübecker Stadtgründers, ließ 1187 eine Festung zur Sicherung der Travemündung errichten. 1217 verstärkte der dänische König Waldemar II. die Festung durch einen Turm. Bis ins Ende des 12. Jahrhunderts lässt  sich also eine Ansiedlung ander Travemündung zurückverfolgen.

 

Dem Lübecker Rat wurde die Bedeutung Travemündes insbesondere in Kriegszeiten bewusst.

Wer Travemünde besaß, hatte die Zufahrt zu den Lübecker Häfen im Griff. Die Streitigkeiten zwischen den holsteinischen Grafen und den dänischen Königen als Lehnsherren der Grafen auf der einen Seite und der Stadt Lübeck auf der anderen wurden erst beendet, als Lübeck 1329 Travemünde erwerben konnte.

 

Die alte St. Lorenz-Kirche ist bei mindestens einem der großen Stadtbrände in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts weitgehend zerstört worden. Den meisten Überlieferungen zufolge brannte die Kirche am 23. Juni 1522 mit vielen Häusern des Ortes ab. Angeblich löste ein überkochender Braukessel in einem Haus der Vorderreihe

die Feuersbrunst aus. Zwei Brände werden auch aus dem Jahre 1534 gemeldet. Damals lagen der Lübecker Rat und die holsteinischen Grafen wieder einmal in Fehde. Auf Geheiß des Rates wurde Travemünde am 19. Juni in Brand gesteckt, um den Feinden nur Trümmer zu überlassen. Am 16. August legten die Holsteiner Feuer an übriggebliebenen Gebäuden. Ein weiteres Feuer legte am 23. April 1549 die Vogtei und 70 Häuser in Asche. Der Ort war nahezu menschenleer, weil die obdachlos gewordenen Bewohner fortzogen.

Dies alles erklärt, warum der Wiederaufbau der Kirche erst sehr viel später in Gang kam. Langhaus und Chor dürften 1557 fertig gewesen sein. Aus den Jahren 1556/57 nämlich sind viele Stiftungen für die Ausstattung des Gotteshauses bezeugt. Die Zahl 1557 findet sich außerdem an den ältesten erhaltenen Gestühlswangen.

Der Turm lag seinerzeit noch als Ruine da. Dies geht auch aus einem Plan hervor, den Hans Frese im Jahre 1601 zeichnete. Mit dem Wiederaufbau eines Turmes über fast quadratischem Grundriss wird 1605/06 begonnen. Allerdings gerät der Bau, offenbar aus Geldmangel, wieder ins Stocken. Unter einem Notdach hängte man die Glocken auf. Erst am 23. Mai 1620 werden Hahn und Knauf aufgesetzt. 1621 wurde die Bedeckung mit Blei fertiggestellt.

Von der ersten Travemünder Kirche stecken noch einige Mauerreste im Chor und im Untergeschoss des Turmes. Die Kirche muss also schon im 13.Jahrhundert annähernd die gleiche Länge gehabt haben wie heute. Sie bietet sich dem Besucher als saalartiges, einschiffiges Bauwerk mit etwas niedrigerem, rechteckigem Chor dar. Die dem Chor an der Südseite angefügte Sakristei trägt als einziger Gebäudeteil ein Gewölbe. Ein Säulendienst in der Südostecke des Chores legt die Vermutung nahe, dass zumindest auch der Chor ein Kreuzrippengewölbe trug. Von der alten Ausstattung zeugen lediglich die Reste der 1840 entfernten Taufe aus Gotlandkalkstein sowie ein überlebensgroßes Kruzifix aus der Zeit um 1470. Es soll 1522 aus der brennenden Kirche gebracht und einst von einem aus Seenot geretteten Schiffer gestiftet worden sein.

 

Die Lorenzkirche hat 1990 ihre farbige Holzdecke vom Jahre 1602 zurückerhalten.

Diese Decke war um 1870 durch eine untergehängte helle Putzdecke unsichtbar geworden. Die Rauten, Kreise, Ranken und andere Muster im Stile des Übergangs von der Renaissance zum Barock wurden im Zuge der Umsetzung der Orgel auf die Empore wieder ans Licht gebracht.

Die wesentlichen Ausstattungsstücke der Kirche stammen aus dem Barock. Den Altar stiftete 1723 die Lübecker Kaufmannsfrau Anna Magdalena Rodde zum Gedenken an ihren jung gestorbenen  Sohn Johannes. Der Altar stammt mit ziemlicher Sicherheit aus der Werkstatt von Hiernonymus  Jakob Hassenberg. Die Architekturteile sind aus Holz gearbeitet, dem durch Farben das Aussehen von Marmor gegeben wurde, während die Figuren aus Marmor sind.

Die Stifterin war eine geborene Siricius. Ihr Cousin, Johann Hermann Siricius, war mehr als 50 Jahre lang Pastor in Travemünde. Sein Epitaph ziert mit einigen anderen den Kirchenraum Die Kanzel ist eine Stiftung aus der gleichen Familie. Sie wurde 1735 von Agneta Catharina  Engenhagen, geborene Sicricius in Auftrag gegeben, einer Schwester der Stifterin des Altars.

 

Orgeln gibt es seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in der Kirche. Die jüngste wurde 1966 von der Firma Beckenrath erstellt.

Zwölf gute Gründe in der Kirche zu sein

  1. Im christlichen Glauben bewahrt die Kirche eine Wahrheit, die Menschen sich nicht selber sagen können. Daraus ergeben sich Maßstäbe für ein verantwortungsbewusstes Leben.
  2. In der Kirche wird die menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet.
  3. Die Kirche begleitet Menschen von der Geburt bis zum Tod. Das stärkt auf geheimnisvolle Weise.
  4. In der Kirche können Menschen an einer Hoffnung auf Gott teilhaben, die über den Tod hinausreicht.
  5. Die Kirche ist ein Ort der Ruhe und Besinnung. Unsere Gesellschaft ist gut beraten, wenn sie solche Orte pflegt.
  6. In der Kirche treten Menschen mit Gebeten und Gottesdiensten für andere ein. Sie tun das auch stellvertretend für die Gesellschaft.
  7. Die kirchlichen Sonn- und Feiertage mit ihren Themen, ihrer Musik und ihrer Atmosphäre prägen das Jahr. Die Kirche setzt sich dafür ein, diese Tage zu erhalten.
  8. In Seelsorge und Beratung der Kirche wird der ganze Mensch ernstgenommen und angenommen.
  9. In Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen der Kirche schaffen viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte ein besonderes, menschliches Klima.
  10. Wer die Kirche unterstützt, übt Solidarität mit den Schwachen und Benachteiligten.
  11. Kirchliche Musik und Kunst sind bis heute prägende Kräfte unserer Kultur.
  12. Wo immer Menschen hinkommen oder hinziehen, treffen sie auch die weltweite christliche Gemeinschaft. Dazu kann jede und jeder beitragen